Es ist mitten in der Nacht. Im Flur geht wieder das Licht an. Vielleicht muss Ihr Angehöriger erneut zur Toilette, findet nicht zurück ins Bett oder ist unruhig und kann einfach nicht schlafen.
Solche Nächte sind im Pflegealltag keine Seltenheit. Für pflegebedürftige Menschen können Schlafprobleme belastend sein – für Angehörige oft genauso. Denn wer nachts immer wieder aufstehen, helfen oder beruhigen muss, startet am nächsten Morgen meist selbst erschöpft in den Tag.
Doch warum schlafen ältere und pflegebedürftige Menschen häufig schlechter? Und was kann im Alltag helfen?
Warum verändert sich der Schlaf im Alter?
Mit zunehmendem Alter verändert sich der natürliche Schlaf. Viele ältere Menschen schlafen leichter, werden häufiger wach und verbringen insgesamt weniger Zeit im Tiefschlaf.
Im Pflegealltag können weitere Faktoren hinzukommen. Dazu gehören zum Beispiel Schmerzen, häufiger Harndrang, wenig Bewegung am Tag, Sorgen, bestimmte Erkrankungen oder Veränderungen durch Medikamente.
Auch bei Menschen mit Demenz kann sich der Tag-Nacht-Rhythmus verändern. Manche Betroffene werden am Abend unruhig, stehen nachts auf oder glauben, der Tag habe bereits begonnen.
Wichtig ist deshalb, Schlafprobleme nicht einfach als normalen Bestandteil des Alters abzutun.
1. Bewegung am Tag kann die Nacht verbessern
Wer sich tagsüber nur wenig bewegt, ist am Abend häufig körperlich nicht ausreichend müde.
Natürlich müssen Aktivitäten immer an die individuellen Möglichkeiten angepasst werden. Schon kleine Dinge können helfen:
ein kurzer Spaziergang, leichte Bewegungsübungen, gemeinsam den Tisch decken oder einfache Tätigkeiten im Haushalt.
Dabei geht es nicht um sportliche Leistung. Entscheidend ist, Bewegung möglichst regelmäßig in den Tagesablauf einzubauen.
2. Tageslicht nutzen
Tageslicht hilft unserem Körper dabei, zwischen Tag und Nacht zu unterscheiden.
Gerade im Herbst und Winter verbringen pflegebedürftige Menschen häufig viel Zeit in Innenräumen. Deshalb kann es sinnvoll sein, die hellen Stunden bewusst zu nutzen.
Ein Spaziergang am Vormittag oder ein Sitzplatz am Fenster kann bereits helfen, den natürlichen Tagesrhythmus zu unterstützen.
3. Wenn sich der Tagesrhythmus verändert
Nicht jede Veränderung des Schlafs lässt sich durch feste Schlafenszeiten oder mehr Bewegung ausgleichen.
Bei bestimmten Erkrankungen, bei Demenz, nach einem Krankenhausaufenthalt oder durch körperliche Einschränkungen kann sich der gewohnte Tag-Nacht-Rhythmus deutlich verändern. Manche Menschen werden früher müde, schlafen tagsüber mehr oder sind nachts über längere Zeit wach.
In solchen Situationen kann es hilfreich sein, nicht ausschließlich zu versuchen, den früheren Tagesablauf wiederherzustellen. Stattdessen sollte gemeinsam geschaut werden, welcher Rhythmus für die betroffene Person aktuell gut funktioniert.
Vielleicht beginnt der Tag etwas später. Vielleicht sind Ruhephasen am Vormittag wichtiger geworden oder Aktivitäten sollten zu den Tageszeiten stattfinden, an denen die Person besonders wach und aufnahmefähig ist.
Entscheidend ist, dass der neue Tagesablauf Sicherheit, Orientierung und ausreichend Erholung bietet.
Wenn sich der Schlafrhythmus allerdings plötzlich stark verändert, sollte dies ärztlich abgeklärt werden. Denn auch Schmerzen, Infekte, Medikamente oder andere gesundheitliche Veränderungen können dahinterstecken.
4. Eine passende Tagesstruktur schaffen
Regelmäßigkeit kann im Pflegealltag Sicherheit und Orientierung geben. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Tag nach einem starren Zeitplan ablaufen muss.
Gerade bei älteren oder erkrankten Menschen kann sich der gewohnte Tagesrhythmus verändern. Manche sind morgens besonders fit, andere erst später am Tag. Ruhephasen können wichtiger werden, und auch Schlafenszeiten können sich verschieben.
Hilfreich ist deshalb, den Tagesablauf möglichst an den individuellen Rhythmus anzupassen. Mahlzeiten, Bewegung, Beschäftigung und Ruhezeiten können bevorzugt dann stattfinden, wenn die betreffende Person wach und aufnahmefähig ist.
Gleichzeitig kann eine gewisse Regelmäßigkeit helfen, Tag und Nacht besser voneinander zu unterscheiden. Sehr lange oder späte Schlafphasen am Nachmittag können beispielsweise dazu führen, dass am Abend weniger Müdigkeit vorhanden ist.
Es geht also nicht darum, einen früheren Tagesrhythmus um jeden Preis wiederherzustellen. Vielmehr sollte ein Ablauf gefunden werden, der zur aktuellen Situation passt und ausreichend Aktivität, Erholung und Orientierung ermöglicht.
5. Die Schlafumgebung prüfen
Manchmal sind es ganz einfache Dinge, die den Schlaf stören.
Ist das Schlafzimmer zu warm? Ist die Matratze bequem? Gibt es störende Geräusche? Muss nachts der Weg zur Toilette bewältigt werden?
Auch die Sicherheit spielt eine Rolle. Ein gut erreichbares Nachtlicht kann Orientierung geben und gleichzeitig helfen, Stürze auf dem Weg zur Toilette zu vermeiden.
6. Abendliche Unruhe ernst nehmen
Besonders bei Menschen mit Demenz kann es vorkommen, dass die Unruhe am späten Nachmittag oder Abend zunimmt.
Dann hilft nicht immer die Aufforderung: „Du musst jetzt schlafen.“
Oft ist es hilfreicher, für Ruhe zu sorgen, vertraute Abläufe beizubehalten und mögliche Auslöser zu suchen. Vielleicht besteht Durst, Hunger, Harndrang oder ein unangenehmes Gefühl.
Eine ruhige Atmosphäre und vertraute Rituale können dabei helfen, den Übergang zur Nacht angenehmer zu gestalten.
7. Medikamente nicht selbst verändern
Manche Medikamente können den Schlaf beeinflussen. Gleichzeitig kann auch eine Erkrankung hinter neu auftretenden Schlafproblemen stecken.
Wenn sich der Schlaf plötzlich deutlich verändert, starke Unruhe hinzukommt oder die Probleme über längere Zeit bestehen, sollte deshalb ärztlicher Rat eingeholt werden.
Wichtig: Medikamente sollten niemals eigenständig abgesetzt, verändert oder anders dosiert werden.
Auch vermeintlich harmlose Schlafmittel können gerade bei älteren Menschen unerwünschte Wirkungen haben.
8. Auch Angehörige brauchen Schlaf
Dieser Punkt wird im Pflegealltag schnell vergessen.
Wer Nacht für Nacht unterbrochen schläft, kann auf Dauer selbst an seine Grenzen kommen. Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und Gereiztheit sind mögliche Folgen.
Pflegende Angehörige sollten deshalb auch auf die eigene Erholung achten und Unterstützung annehmen, wenn die Belastung dauerhaft zu groß wird.
Pflege muss nicht allein getragen werden.
Kleine Veränderungen können viel bewirken
Nicht jede unruhige Nacht lässt sich verhindern. Und auch nicht jeder Tipp funktioniert für jeden Menschen gleichermaßen.
Oft lohnt es sich jedoch, genauer hinzuschauen: Wann beginnt die Unruhe? Was passiert tagsüber? Gibt es Schmerzen? Wird ausreichend getrunken? Fehlt Bewegung oder Tageslicht?
Schon kleine Veränderungen im Tagesablauf können dabei helfen, die Nächte ruhiger zu gestalten.
Und manchmal ist bereits viel gewonnen, wenn Angehörige wissen: Sie müssen dieses Problem nicht allein lösen.
Ambulanter Pflegedienst Weller GmbH
Wir unterstützen Pflegebedürftige und Angehörige dabei, den Alltag zu Hause sicher und möglichst angenehm zu gestalten.


