Ein Sturz geschieht manchmal innerhalb weniger Sekunden: beim Aufstehen, auf dem Weg zur Toilette oder beim Drehen in der Küche. Selbst wenn Angehörige oder Pflegekräfte in der Nähe sind, lässt sich nicht jeder Sturz rechtzeitig auffangen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Stürze im Alter einfach normal sind. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen – und viele davon lassen sich beeinflussen.
Häufig, aber nicht selbstverständlich
Nach Angaben des staatlichen Gesundheitsportals gesund.bund.de stürzen etwa 30 von 100 Menschen über 65 Jahren, die zu Hause leben, mindestens einmal im Jahr. Ein Sturz sollte deshalb ernst genommen werden. Die entscheidende Frage lautet nicht:
„Wer hat nicht aufgepasst?“
Hilfreicher ist:
„Warum ist der Sturz passiert und welches Risiko können wir künftig verringern?“
Auch eine Betreuung rund um die Uhr kann keine vollständige Sturzfreiheit garantieren. Eine anwesende Person kann unterstützen und schneller helfen. Sie kann aber nicht jeden plötzlichen Schwindel, jeden Fehltritt oder jede unerwartete Bewegung verhindern.
Oft kommen mehrere Ursachen zusammen
Mögliche Sturzrisiken sind:
- Teppichkanten und Türschwellen
- lose Kabel oder schlecht beleuchtete Wege
- nasse und glatte Böden
- ungeeignete oder schlecht sitzende Schuhe
- nachlassende Sehkraft
- Muskelschwäche und unsicheres Gehen
- Schwindel oder Kreislaufprobleme
- akute Veränderungen des Allgemeinzustands
- bestimmte Medikamente
- eine ungewohnte Umgebung
Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn ein Mensch plötzlich häufiger Halt sucht, unsicherer läuft oder beim Aufstehen schwankt. Dann sollte nicht nur die Wohnung betrachtet werden. Auch eine gesundheitliche Ursache kann dahinterstehen.
Medikamente dürfen dabei niemals eigenständig verändert oder abgesetzt werden. Bei neuem Schwindel oder auffälliger Unsicherheit ist eine ärztliche oder pharmazeutische Überprüfung sinnvoll.
Wenn wichtige Räume auf mehreren Etagen liegen
Viele ältere Menschen leben in Häusern, die nicht für eine spätere Pflegebedürftigkeit gebaut wurden. Das Schlafzimmer liegt im Obergeschoss, eine Toilette auf der Wohnebene und das Badezimmer im Keller.
Damit entstehen täglich mehrere Treppenwege:
- morgens vom Schlafzimmer nach unten,
- zum Duschen in den Keller,
- anschließend wieder hinauf,
- abends zurück ins Schlafzimmer.
Jeder Weg kann noch gelingen. Zusammen können diese Wege jedoch viel Kraft kosten. Gerade nach dem Duschen kann der Kreislauf belastet und die Muskulatur erschöpft sein.
Treppen müssen nicht grundsätzlich gemieden werden. Sie sollten aber sicher gestaltet sein:
- gut greifbare Handläufe,
- ausreichende Beleuchtung,
- deutlich erkennbare Stufenkanten,
- keine Gegenstände auf den Stufen,
- passende Schuhe,
- möglichst nichts in den Händen tragen.
Wer Wäsche, Getränke oder Pflegeutensilien trägt, kann sich schlechter festhalten. Häufig benötigte Dinge sollten deshalb auf der jeweiligen Etage bereitliegen.
Bad und Küche verdienen besondere Aufmerksamkeit
Im Badezimmer treffen mehrere Risiken aufeinander: Nässe, glatte Flächen, enge Bewegungsräume und das Ein- oder Aussteigen aus Dusche und Badewanne.
Rutschhemmende Flächen, fachgerecht befestigte Haltegriffe und ein standsicherer Duschstuhl können mehr Sicherheit schaffen. Ein Handtuchhalter ist keine verlässliche Festhaltemöglichkeit.
Auch in der Küche wird viel gedreht, getragen und nach oben gegriffen. Häufig benötigte Gegenstände sollten gut erreichbar aufbewahrt werden. Verschüttete Flüssigkeiten müssen zeitnah entfernt werden. Unsichere Hocker oder Stühle eignen sich nicht als Tritt.
Eine neue Umgebung verändert gewohnte Abläufe
In der eigenen Wohnung wissen Menschen oft automatisch, wo Möbel, Lichtschalter und Haltemöglichkeiten sind. Nach einem Krankenhausaufenthalt, bei einem Besuch oder nach dem Umstellen der Wohnung fehlen diese vertrauten Orientierungspunkte.
Auch gut gemeinte Veränderungen sollten deshalb gemeinsam geplant werden. Ein Mensch braucht Zeit, um sich an neue Wege, Möbelstellungen oder Hilfsmittel zu gewöhnen.
Aus Angst nicht mehr bewegen?
Nach einem Sturz vermeiden manche Menschen möglichst jede Bewegung. Langfristig kann das die Unsicherheit verstärken: Weniger Bewegung führt zu weniger Kraft, wodurch Aufstehen und Gehen noch schwieriger werden.
Das Ziel ist daher nicht, jede Bewegung zu verhindern. Bewegung sollte sicher, angepasst und bei Bedarf fachlich begleitet werden.
Kleine Veränderungen können viel bewirken
Eine sinnvolle Sturzprävention kann beispielsweise umfassen:
- Laufwege freihalten,
- Teppichkanten und Kabel sichern,
- Beleuchtung verbessern,
- gut sitzende Schuhe tragen,
- Brille und Gehhilfe griffbereit ablegen,
- den Rollator richtig einstellen lassen,
- Medikamente überprüfen lassen,
- Kraft und Gleichgewicht fördern,
- Handläufe oder Haltegriffe anbringen,
- langfristig die Raumaufteilung anpassen.
Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Pflegekasse Anpassungen des Wohnumfelds unterstützen, etwa einen Badumbau oder technische Lösungen zur Überwindung von Treppen. Die Finanzierung sollte vor Beginn der Arbeiten geklärt werden.
Sicherheit ohne falsche Versprechen
Stürze lassen sich nicht vollständig ausschließen. Ein Sturz bedeutet deshalb nicht automatisch, dass Angehörige oder Pflegekräfte versagt haben.
Gute Sturzprävention bedeutet, Veränderungen ernst zu nehmen, vermeidbare Risiken zu beseitigen und sichere Bewegung zu ermöglichen. Dabei muss die Selbstständigkeit der betroffenen Person erhalten bleiben.
Nicht jeder Sturz lässt sich verhindern. Aber viele Risiken lassen sich erkennen und deutlich verringern.


